Sonntag, 23. Oktober 2011

Sonntag


(Quelle: Wikipedia)

Freitag, 23. September 2011

Warten auf den letzten Zug

Die Kirchenglocken läuten mit zehn langsamen, aber doch klaren Schlägen die Nacht ein. Es ist tiefdunkel, doch die Bahnhofsbeleuchtung überlistet die Nacht, so dass sich Jugendliche im trüben Licht die Hände schütteln. Die Hände greifen wie eingespielte Zahnräder ineinander und mit einem Klatsch, der den gegenseitigen Respekt des Gegenüber erklärt, wieder hydraulisch auseinander.
Sie blicken sich an. Jeder dem anderen gegenüber sich überlegen fühlend, die Zigarette lässig an der Hand hängend. Das Klacken zweier Paare Frauenschuhe lässt erst die Köpfe, anschliessend den Oberkörper, dem Geräusch entgegen drehen. Die augenblickliche Aufmerksamkeit wird mit geniesserischer Arroganz ignoriert. Der süsse Duft sowie die Aufmerksamkeit schweben an den Zigarettenschnuckelnden vorbei. Das Klacken wird leiser, die Köpfe drehen sich wieder in die Ausgangsposition. Der Kopf leicht gesenkt, erblickt die Flasche, bereits geöffnet und halb leer getrunken, an. Mit einer Handbewegung ist sie in der freien Hand, zum Mund geführt und wieder unten. Der Geschmack des alkoholischen Popgetränk lässt den Gaumen fröhlich werden, den Mund einfacher bewegen und das Gehirn auf "das Wichtige" konzentrieren lassen, wobei das lediglich urinstinkt-ähnliche Triebe sind, die durch die Unterstützung der Alltagsdrogen dem klaren Verstand (oder einfach nur Anstand) einen Schuh in den Ar*** geben.
Die vorherige Niederlage - ein ach so häufiger Moment eines jungen Hängers - wird mit einem tiefen Zug am Qualmnuggi inhaliert und mit dem Ausstossen der Schadstoffe gleich zu vernebeln versucht. Rauch und Alkohol an ihrem richtigen Ort in ihrem üblichem Funktion.
Als das Ende der Zigarette kam, wird sie mit einem ach so lässigen, ach so coolen, Fingerspickenden Wurf in Richtung Boden gesendet, wo sie noch ein zwei schmerzhafte kleine Sprünge bis zum Stillstand macht. Von der Schuhsohle wird ihr noch der letzte Gar ausgemacht. Eine Zweite liegt neben ihr, gleich malträtiert und gequält. Doch sie liegen am Boden und wissen, bei ihnen ging es schnell und ist vorüber, doch ihre Peiniger werden auch ihre Leiden wegen ihnen haben.

Donnerstag, 14. April 2011

Der mit dem Bike fährt

Ich habe ein Velo. Nein, kein weibliches, rundliches Frauenrädchen, sondern ein hartkantiges, männliches Bike! Eines mit Federung und Gangschaltung und Undingen wie Satteln und Lenkrad, als ob ich Kurven fahren müsste - HA! ich fahre mit meinem Bike durch Autos, Wände, ja gar durch LKWs.
Es ist sozusagen das erste Bike, dass ich seit einem Jahrzenht habe. Als Kind hatte ich bereits einmal ein ähnlich cooles Bike, aber leider wurde es von Jahr zu Jahr kleiner (konnte mit mir nicht mithalten) und so musste es schwinden. Ich kann mich ja in der Öffentlichkeit nicht lächerlich machen.
Das Bike macht mich tagtäglich unabhängig: Mein Tag ist nicht mehr durch die Stadtbus-Doktrine beherrscht, noch von umweltverschmutzenden vierrädrigen Vehikeln, die erst noch während einer Audienz bei der Hausherrin ersucht werden müssen. Jetzt muss ich mich nur noch der Herrschaft der Züge und der Zeit entfliehen, und mein Eroberungsfeldzug der Schweizer Lebenswelt kann beginnen.

Randbemerkung: Jegliche Übereinstimmungen mit lebenden Personen oder mit Bike besitzenden Menschen sind rein zufällig und müssen nicht mit den Meinungen oder Überzeugungen des Autors übereinstimmen.

Dienstag, 8. Februar 2011

Weisse Lügen

Die Grauzone der gesellschaftlich erlaubten Lügen ist breit. Es gibt sehr viele Möglichkeiten zu lügen, ohne, dass man sich als Lügner vorkommt. Viel eher als Ritter, obwohl es wohl keine Tugend ist, zu lügen.
Ich lüge nicht, ich erzähle nur nicht die ganze Wahrheit.
Ich lüge nicht, ich ignorier es.
Ich lüge nicht, ich höre es einfach nicht.
Ich lüge, damit es dir besser geht.
Ich lüge, damit es der Welt besser geht.
Ich lüge, weil die Welt sonst nicht funktioniert...
Die Bandbreite von weissen Lügen kosten wir tagtäglich aus. Wir sind schon so geübt, dass wir es nicht als lügen anerkennen, denn die anderen "weisslügen" ja auch, und so lange es niemand merkt, schadet es niemanden. Dieses Spinnennetz von weissen Lügen hängt am Ende des Tages, der Woche, des Monats, des Jahres, des Lebens an kleinen, dünnen Fäden. Und der Absturz, falls die weisse Lüge ans Licht kommt, und dass tut sie oft, ist tief. Nicht, dass wir das wissen/hören wollten, aber auch weisse Lügen sind Lügen.

Freitag, 21. Januar 2011

How I ... laughed

Wenn es eine Serie gibt, die zur Zeit mein ganzer Freundeskreis sieht, dann ist dies wohl "How I Met Your Mother". Die Serie ist so beliebt, dass sogar diejenigen die Serie gut finden, die ich eigentlich gar nicht mag. Aber anyway.
Natürlich ist das Konservenbüchsenlachen bei jedem halb so lustigen Witz unterm Strich doch eher ansteckend als nervtötend. Denn wer gibt schon gerne zu, eine Serie zu schauen, in dem Leute lachen, obwohl man selbst den Witz nicht lustig findet. Da ist das andere Übel eigentlich weniger schlimm. Ergo lacht man halt, wenn andere auch lachen. Lachen ist ja gesund und es werden bekanntlich 17 Gesichtsmuskeln trainiert, während dem man lacht. Und natürlich die Bauchmuskeln auch. Deshalb schau ich jetzt auch HIMYM zum zweiten Mal, dass das Sixpack schön kommt :-)
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Anmache von Barney klappen könnte, ist sogar erschreckend hoch. Denn wer fühlt sich nicht gleich verstanden, wenn jemand dich mit einem Witz aus deiner Lieblingsserie anspricht? Da kann er ja noch so blöd sein, irgendwie.
Diese Serie ist auch noch gut, wenn sie synchronisiert ist. Denn auch wenn nicht mehr alle Wortspiele ganz so schön aufgehen wie im Englischen, bleiben die Witze lustig. Und dafür fällt das kognitive Erfolgserlebnis, das Stimmungserheiternd ist, da man "Englisch versteht", weg und macht es deshalb umso wichtiger, dass die Witze auch wirklich lustig sind.

Dienstag, 23. November 2010

Kampf der Zeit

Wir erleben eine Zeit der Technologisierung und Digitalisierung. Wozu?

Um mehr Zeit zu haben. Um mehr Zeit für uns, Freunde, Familie zu haben. Um mehr Zeit für Hobbies, Sport, Action zu haben. Um mehr Zeit für's Chillen, Leben geniessen, Nichtstun zu haben.
Wir arbeiten auch länger, um später mehr Zeit zu haben. Mehr Zeit für Weihnachtseinkäufe, Kaffeekränze, Liebeleien zu haben. Mehr Zeit um Games zu spielen, Serien zu schauen oder Spiele zu spielen. Um mehr Zeit bei der Arbeit zu haben, wenn wir per Handy die Emails bereits unterwegs beantworten. Wir haben mehr Zeit bei der Arbeit, um dann mehr Arbeit erledigen zu können. Wir versuchen weniger Stress zu haben und bereiten uns auf den kommenden Tag vor, um dann mehr Zeit zu haben. Am nächsten Tag überlegen wir uns einen Plan für die Woche, um in der Woche mehr Zeit zu haben. Wir haben dann mehr Zeit, um uns Gedanken zu machen, was mit der gewonnen Zeit anzufangen sei. Wir machen Pläne, um die Pläne umzusetzen, um so viel wie möglich umzusetzen, in der wenigen Zeit, die wir haben. Wir wollen, in diesem kurzen Leben, in der die Zeit so kostbar ist, so viel erleben, so viel erlebt haben, so viel einmal erleben und gleichzeitig so angenehm, gemütlich, glücklich und der Zeit gemäss leben, dass wir die Zeit ignorieren.
Du schlechte, böse Zeit!
Ich kümmere mich nicht um die Zeit. Die Zeit hat mir nachzulaufen, mir nachzutrauern und sich auf mich zu freuen. Die Zeit ignoriere ich. Ich will, dass sich die Zeit mir unterstellt. Warum? Damit ich mehr Zeit habe. Damit ich mehr Zeit habe, um es der Zeit heimzuzahlen, zurückzuzahlen und der Zeit eins ins Gesicht zu schlagen.
Die Zeit kann mir in die Schuhe pusten. Ich will mich befreien von der Zeit, aus dem Käfig der Zeit ausbrechen und frei sein. Ich will freie Zeit mit Freizeit kombinieren und in der Freizeit die freie Zeit geniessen und freie Dinge machen, für die ich keine Zeit brauche, aber dafür Zeit habe. Ich will die Zeit vor und zurückdrehen, mich umsehen, nicht umher gehen ohne die Zeit zu verstehen. Die Zeit soll mich verehren, weil ich ihr verschrieben bin, und trotzdem ich hier das Sagen habe. Oder was sagst du, elende Zeit? Tick Tack Tick Tack! Bla bla bla! Die Zeit verstreicht und ich höre nichts. Sie sagt nichts, sie tut, was sie kann, ja was sie am besten kann. Verinnen, gehen, mich ärgern, foppen, plagen. Ich will sie würgen, doch die Zeit geht nichts zu Grunde. Ich kann sie nicht beerdigen, ich kann sie nicht aufhalten. Sie vergeht einfach. Ohne Tschüss, Hoi, Salü, Adé zu sagen.
Ich werde untergehen, denn die Zeit wird länger existieren als ich. Aber, ich kann mich ihr nicht beugen. Ich will sie vergeuden. Nichtstun, Faulsein, Leblos dahin vegetieren, sie verschwenden und einfach loslassen. Doch das wär kein Sieg, sondern Resignation. Ich resigniere bestimmt nicht, nur weil die Zeit länger existiert. Nur weil es sie schon gab, bevor es mich gab und sie auch da war als ich da war und sie auch weiterhin existieren wird, wenn ich nicht mehr da bin. Ich werde es ihr schon zeigen, dieser blöden Zeit. Ich werde einfach länger leben, mich gesünder ernähren und sportlich leben. Ich werde mich trainieren, wenig zu atmen, mich in Extremsituationen wohl zu fühlen und Schmerz zu zelebrieren. Denn auch wenn ich eines Tages näher dem Tod bin als heute, ich werde glücklicher sein, als die Zeit. Ich werde sinnvoller meine Zeit verbracht haben als die Zeit es tat. Ich werde sterben können und sagen: Ich habe dich gekannt und besiegt. Denn ich hatte dich im Schwitzkasten, du elendige Zeit!

Freitag, 12. November 2010

Slamblog oder Poetryblog

(Für alle, die Poetry Slams mögen. Und schnell lesen können.)

Es heisst:
Im Zug nach Zürich (wohin sonst, wenn man nicht in Zürich wohnt):

Ich sitze im Zug und zwinge mich, nichts zu tun. Unvorstellbar. Ich stelle mir trotzdem vor, einfach dazusitzen und in die Leere zu starren, respektive auf den Typen der gegenüber von mir sitzt, Chips frisst und jedesmal grimmig knurrt, wenn mein Blick auf seine Tüte Chips fällt.
Ich stelle mir vor, ich schaue aus dem Fenster: Die Firma Geilinger hat den Namen noch immer nicht gewechselt. Wie kann man nur? Nächstes Gebäude flitzt an mir vorbei: Stadler Rail hat wieder einen Zugbastelkasten gebaut, damit ich mich nur noch mehr ärgern muss, da die Züge in den Thurgau (wohin sonst, wenn man Leben will) immer überfüllt sind und die Waggons nur gebaut werden, um NACH Zürich zu fahren und nicht in den schönen, ländlichen, liebevollen, paradiesischen Thurgau. Ach Thurgau.
Ich stelle mir vor, wie ich versuche so weit wie möglich den Gang hinunter zu starren. Ich zähle, drei, vier, fünf Abteile, wobei mich die Leute langsam im ganzen Zugwaggon anstarren. Ich sagte dann, um ihre Blicke zu kontern: "Ich zieh euch wirklich nicht in Gedanken aus! ... Ich versuche doch nur so weit wie möglich den Gang hinunter zu starren..."
Ich stelle mir vor, wie ich doch ganz spassig am Handy herumspielen könnte. Im Internet surfen. Angry Birds spielen. Ein Bimaru lösen (was sozusagen das neue Sudoku ist - und wenn wir schon dabei sind: Grau ist das neue Schwarz, Schwarz ist das neue Weiss, Weiss ist das neue Grau, wobei sich diese Farben ja mit allen anderen Farben kombinieren lassen... irgendwie). Ich könnte für das Studium etwas lesen oder lösen... HA-Ha (*hust*). Ich könnte 20 Minuten lang lesen oder 20Minuten lesen. Ich könnte BlickamAbend von gestern Abend lesen, was jedoch gleich spannend wäre, wie Ping-Pong-Rundlauf alleine zu spielen - Scheint eine gute Idee zu sein, aber bringt, allen ernstens, wirklich überhaupt rein gar nichts.
Aber ich will nichts tun. Ich will einfach nur da sitzen und nichts tun. Also mein letzter Versuch: Ich sitze da, tue nichts. Hör nicht einmal Musik (und für die Älteren unter euch: Es gibt wirklich Jugendliche, die laufen immer mit Ohrstöpsel herum, damit sie von euch isoliert sind und eure Lebensweisheiten aus dem Weg gehen können. Und im ernst: Diejenigen, die nicht Musik hören, interessieren eure Lebensweisheiten auch nicht.) Ich tue nichts. Ich schliesse die Augen, wie mein Sitznachbar, der immer komisch zuckt und sich auf das T-Shirt sabbert. Und kurz bevor ich merk, dass ich wirklich, genau in diesem Moment, rein gar nichts tue, kann ich den Satz nicht mehr zu Ende denken. Ich bin eingeschlafen.
Danke.

Montag, 1. November 2010

Pendlergeschichte

Im Zug erfährt man - gewollt oder ungewollt - immer sehr vieles über Menschen, ihr Leben, ihre Sorgen und ihre Freuden. Manchmal auch, was die Leute für Musik hören, auch wenn sie "Ohrstöpsel" benutzen (dass sich solche Leute nicht über ihr sicher vorhandenes Piepsen im Ohr wundern...?). Heute hat sich an etwas älterer Herr mit Coop-Tasche zu mir gesetzt, mit der Höflichkeit, ob der Platz noch frei sei, was ich doch zu schätzen weiss. Umso überraschter war ich dann, als der doch unauffällig gekleidete Herr seinen portablen DVD-Player auspackte, Kopfhörer sich über die Ohren zog und begann einen DVD zu schauen. (Dass es diesen portablen DVD-Player überhaupt noch gibt?). Ich lasse mich ja gerne überraschen. Leider konnte ich den Film nicht mitschauen, da er gegenüber von mir sass, doch den Geräuschen zu urteilen, ging es vor allem um eines: Mit vollautomatischen Waffen zu schiessen. Okay. Dann griff der unscheinbare Herr in seine Coop-Tasche (nicht nach einem "Müller Fixfertig Milchreis" - immer dann, wenn der kleine Hunger kommt) nach einem Billig-Bier aus dem Denner. Zisch, gluckgluckgluck. Als ich dann vor mich schaute, sah ich keinen portablen DVD-Player, sondern einen wissenschaftlichen Text über "Sinn und Unsinn von pädagogischen Inhalten in Form von Unterhaltungsserien." Als ich in meine Tasche griff, kam kein Bier heraus, sondern ein Aproz rot (ohne Kolensäure, besser magenverträglich, denke ich). Ich hätte irgendwie gerne mit ihm über seine Weltanschauung gesprochen und ihn gefragt, was er den ganzen Tag so macht, aber irgendwie wollte ich mich nicht zwischen ihn und seine Maschinengewehre stellen. Seine Antwort stelle ich mir trotzdem etwa so vor: "Ich habe Philosophie und Publizistik studiert, so wie du. Jetzt weiss ich, dass ich nichts weiss, und dass mir die Medien sowieso alles vorgaukeln."