Die Kirchenglocken läuten mit zehn langsamen, aber doch klaren Schlägen die Nacht ein. Es ist tiefdunkel, doch die Bahnhofsbeleuchtung überlistet die Nacht, so dass sich Jugendliche im trüben Licht die Hände schütteln. Die Hände greifen wie eingespielte Zahnräder ineinander und mit einem Klatsch, der den gegenseitigen Respekt des Gegenüber erklärt, wieder hydraulisch auseinander.
Sie blicken sich an. Jeder dem anderen gegenüber sich überlegen fühlend, die Zigarette lässig an der Hand hängend. Das Klacken zweier Paare Frauenschuhe lässt erst die Köpfe, anschliessend den Oberkörper, dem Geräusch entgegen drehen. Die augenblickliche Aufmerksamkeit wird mit geniesserischer Arroganz ignoriert. Der süsse Duft sowie die Aufmerksamkeit schweben an den Zigarettenschnuckelnden vorbei. Das Klacken wird leiser, die Köpfe drehen sich wieder in die Ausgangsposition. Der Kopf leicht gesenkt, erblickt die Flasche, bereits geöffnet und halb leer getrunken, an. Mit einer Handbewegung ist sie in der freien Hand, zum Mund geführt und wieder unten. Der Geschmack des alkoholischen Popgetränk lässt den Gaumen fröhlich werden, den Mund einfacher bewegen und das Gehirn auf "das Wichtige" konzentrieren lassen, wobei das lediglich urinstinkt-ähnliche Triebe sind, die durch die Unterstützung der Alltagsdrogen dem klaren Verstand (oder einfach nur Anstand) einen Schuh in den Ar*** geben.
Die vorherige Niederlage - ein ach so häufiger Moment eines jungen Hängers - wird mit einem tiefen Zug am Qualmnuggi inhaliert und mit dem Ausstossen der Schadstoffe gleich zu vernebeln versucht. Rauch und Alkohol an ihrem richtigen Ort in ihrem üblichem Funktion.
Als das Ende der Zigarette kam, wird sie mit einem ach so lässigen, ach so coolen, Fingerspickenden Wurf in Richtung Boden gesendet, wo sie noch ein zwei schmerzhafte kleine Sprünge bis zum Stillstand macht. Von der Schuhsohle wird ihr noch der letzte Gar ausgemacht. Eine Zweite liegt neben ihr, gleich malträtiert und gequält. Doch sie liegen am Boden und wissen, bei ihnen ging es schnell und ist vorüber, doch ihre Peiniger werden auch ihre Leiden wegen ihnen haben.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen